WISSENSWERTES ZUR PROFILTIEFE VON REIFEN - GESETZLICHE REGELUNGEN & CO.
Die Profiltiefe von Reifen spielt eine entscheidende Rolle für die Sicherheit eines Fahrzeugs. Sie beeinflusst, wie gut ein Reifen die Haftung auf der Straße hält, besonders bei Nässe oder im Winter, wenn die Straßenverhältnisse schwieriger werden. Eine ausreichende Profiltiefe ist daher nicht nur eine zwingende Vorschrift, sondern auch ein wichtiger Sicherheitsfaktor, den Autofahrer*innen berücksichtigen sollten. In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wissenswerte über die gesetzlichen Regelungen zur Profiltiefe von Reifen sowie weitere wichtige Aspekte zur Reifensicherheit und -pflege.
Bestimmungen zur Profiltiefe in Österreich
In Österreich sind die Mindestanforderungen an die Profiltiefe von Reifen vom Gesetzgeber vorgelegt, um die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten. Diese Vorschriften unterscheiden sich je nach Art des Reifens und den jeweiligen Einsatzbedingungen:
Sommerreifen
Für Pkw, Motorräder und generell alle Fahrzeuge mit einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen gilt bei Sommerreifen eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm. Diese Mindestprofiltiefe ist jedoch nur die unterste Grenze, die aus Sicherheitsgründen nicht unterschritten werden sollte. Reifen mit weniger als 1,6 mm Profiltiefe haben eine stark reduzierte Haftung auf nasser Fahrbahn, was die Gefahr von Aquaplaning und Unfällen erheblich erhöht (oesterreich.gv.at).
Winterreifen
Für Winterreifen gelten jedoch strengere Vorschriften. Um genügend Halt auf Schnee und Eis sicherzustellen, müssen Winterreifen über ein Profil von mindestens 4 mm verfügen. Eine zu geringe Profiltiefe führt nicht nur zu einer schlechteren Traktion, sondern auch zu längeren Bremswegen, was unter winterlichen Bedingungen äußerst gefährlich sein kann. Es ist daher ratsam, Winterreifen frühzeitig auszutauschen, bevor die Profiltiefe unter 4 mm fällt. In Österreich werden Autofahrer*innen im Zeitraum vom 1. November bis 15. April dazu angehalten, Winterreifen bei winterlichen Fahrverhältnissen (Schneefahrbahn, Schneematsch oder Eis) anzubringen. Alternativ können auch Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern angebracht werden, allerdings nur, wenn die Fahrbahn durchgehend mit Schnee oder Eis bedeckt ist (oesterreich.gv.at).
Motorradreifen
Auch bei Motorrädern ist die Profiltiefe von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit. Da Motorräder mit deutlich weniger Kontaktfläche zur Straße unterwegs sind als Pkws, ist der Zustand der Reifen umso wichtiger, um das Gleichgewicht und die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Für Motorradreifen gilt eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm, ähnlich wie bei Pkw. Doch hier empfehlen Expert*innen, auf eine Profiltiefe von mindestens 3 mm zu achten, um ein sicheres Fahrverhalten zu gewährleisten. Bei Motorradreifen spielt das Profil eine besonders zentrale Rolle bei der Haftung in Kurven, beim Bremsen und in gefährlichen Situationen, wie z. B. nasse Fahrbahnen.
Profiltiefe bei Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, sind eine beliebte Alternative für Autofahrer*innen, die sich den saisonalen Reifenwechsel sparen möchten. Diese Art von Reifen kombiniert die Eigenschaften von Sommer- und Winterreifen und ist mit einer speziellen Gummimischung sowie einem Profil ausgestattet, das sowohl bei warmen als auch kalten Temperaturen eine akzeptable Leistung bietet.
Für Ganzjahresreifen gelten in Österreich dieselben Mindestprofiltiefen wie für Sommer- und Winterreifen. Das bedeutet:
- Mindestens 1,6 mm Profiltiefe, wenn der Reifen als Sommerreifen genutzt wird.
- Mindestens 4 mm Profiltiefe, wenn der Reifen im Wintereinsatz ist, insbesondere bei anspruchsvollen Straßenverhältnissen.
Auch wenn Ganzjahresreifen das ganze Jahr über genutzt werden können, verlieren sie bei abnehmender Profiltiefe schneller ihre Vielseitigkeit. Expert*innen empfehlen daher, Ganzjahresreifen bereits ab einer Profiltiefe von 3 bis 4 mm zu wechseln, um eine zuverlässige Performance während der Fahrt zu gewährleisten.
Da Ganzjahresreifen sowohl im Sommer als auch im Winter genutzt werden, unterliegen sie einem höheren Verschleiß als saisonale Reifen. Deshalb sollten sie häufiger auf ihre Profiltiefe überprüft werden – insbesondere vor dem Wintereinbruch. Zudem ist es wichtig, dass sie mit dem M+S-Symbol (Matsch & Schnee) oder dem Alpine-Symbol (Schneeflocke mit Berg) gekennzeichnet sind, um in Österreich als wintertauglich anerkannt zu werden.
Ganzjahresreifen sind eine praktische Lösung für gemäßigte Klimazonen oder für Fahrer*innen, die vor allem im Stadtverkehr unterwegs sind. Wer jedoch in Regionen mit extremen Wetterbedingungen lebt oder viel auf Autobahnen fährt, sollte dennoch den klassischen Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen in Betracht ziehen.
Sonderfall Offroadreifen
Bei Offroadreifen, insbesondere für Fahrzeuge, die regelmäßig abseits asphaltierter Straßen eingesetzt werden, gelten deutlich höhere Anforderungen an die Profiltiefe als bei herkömmlichen Straßenreifen. Für diese speziellen Reifen, wie zum Beispiel Mud-Terrain-Reifen, ist eine tiefere Profiltiefe erforderlich, um den Anforderungen von schwierigem Gelände gerecht zu werden.
Mud-Terrain-Reifen kommen im Auslieferungszustand oft mit einer Profiltiefe von 18 mm, was für das Fahren durch Matsch, Schlamm und unebenes Terrain unverzichtbar ist. Bei 4×4-Offroadreifen sollten zwischen 13 und 17 mm Profiltiefe vorhanden sein, um ein sicheres Vorankommen auch in anspruchsvollen Verhältnissen zu gewährleisten. Alles unter 8 mm Profiltiefe ist für Offroadreifen nicht mehr akzeptabel, da die Fähigkeit der Reifen, sich in weichem Boden zu vergraben und Traktion zu erzeugen, stark reduziert wird.
Wer sich vor der neuen Offroad-Saison neue Reifen zulegt, sollte wissen, dass diese zunächst eingefahren werden müssen. Beim Einfahren von 4×4-Reifen oder Mud-Terrain-Reifen empfiehlt es sich, dies auf einem Gelände zu tun, das annähernd Offroad-Bedingungen bietet. Viele Offroad-Enthusiast*innen nutzen hierfür spezielle Offroad-Gelände, auf denen sie mit ihren Fahrzeugen in relativ sicherer Umgebung üben können. Zu Beginn sollte man dabei aber vorsichtig fahren und extreme Belastungen wie scharfe Kurven oder plötzliche Brems- und Beschleunigungsmanöver vermeiden.
Neue Offroadreifen sollten generell in den ersten 200 Kilometern mit moderater Geschwindigkeit und geringer Belastung eingefahren werden. Dadurch wird den Reifen die Möglichkeit gegeben, sich optimal mit der Straße oder dem Gelände "anzufreunden" und eine gleichmäßige Abnutzung sicherzustellen. Erst danach können die Reifen ihre volle Leistung entfalten, besonders auf herausfordernden Offroad-Strecken.
Messung der Profiltiefe
Um die Profiltiefe zu überprüfen, gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Eine der einfachsten und kostengünstigsten Methoden ist der sogenannte "Euromünztest", bei dem eine 1-Euro-Münze in die Rillen des Reifens gesteckt wird. Wenn der goldene Rand der Münze sichtbar ist, liegt die Profiltiefe unter 3 mm und der Reifen sollte baldmöglichst gewechselt werden.
Eine weitere praktische Möglichkeit ist die Verwendung eines Profiltiefenmessers, das direkt in die Rillen des Reifens eingeführt wird, um die verbleibende Profiltiefe zu bestimmen. Einige moderne Reifen sind auch mit Verschleißindikatoren ausgestattet, die optisch anzeigen, wenn die Profiltiefe die gesetzliche Mindestanforderung erreicht hat.
Empfohlene Profiltiefe für optimale Sicherheit
Obwohl die gesetzlich festgelegte Mindestprofiltiefe als Sicherheitsgrenze gilt, sollten die Reifen bereits dann gewechselt werden, sobald sich das Profil schon deutlich abgenutzt hat. Für Sommerreifen sollte die Profiltiefe generell mindestens 3 mm betragen, während für Winterreifen eine Profiltiefe von mindestens 4 mm ratsam ist. Dies stellt sicher, dass die Reifen ihre maximale Leistungsfähigkeit in Bezug auf Bremsweg, Traktion und Wasserableitung aufrechterhalten.
Was ist bei der Reifenpflege und -lagerung zu beachten?
Neben der Profiltiefe spielen auch die Pflege und Lagerung der Reifen eine wichtige Rolle für ihre Lebensdauer und Leistung. Reifen sollten regelmäßig auf Beschädigungen, Risse oder unregelmäßigen Verschleiß überprüft werden. Auch die Luftdruckkontrolle ist ein wesentlicher Bestandteil der Reifenpflege. Ein zu niedriger oder zu hoher Luftdruck kann die Lebensdauer des Reifens verkürzen und dessen Leistung beeinträchtigen. Tipp: Kontrollieren Sie vor längeren Fahrten oder vor dem Transport schwerer Lasten unbedingt den Reifendruck und passen Sie ihn gegebenenfalls an.
Bei der Lagerung von Sommerreifen im Winter oder Winterreifen im Sommer ist es wichtig, sie an einem kühlen, trockenen Ort fern von direkter Sonneneinstrahlung und chemischen Substanzen aufzubewahren. Eine unsachgemäße Lagerung kann dazu führen, dass die Gummimischung austrocknet und die Reifen an Flexibilität verlieren.
Fazit
Die Profiltiefe ist ein zentraler Aspekt der Fahrsicherheit und darf nicht vernachlässigt werden. Auch wenn die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm für Sommerreifen und 4 mm für Winterreifen das absolute Minimum darstellt, ist es ratsam, die Reifen frühzeitig zu wechseln, noch bevor diese Werte erreicht sind. Eine regelmäßige Kontrolle der Profiltiefe, die Beachtung der Winterreifenpflicht und eine sorgfältige Pflege der Reifen können dazu beitragen, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen und Unfälle zu vermeiden.